Das „Fake“ entspannte Pferd

30. März 2016

Ich möchte hier das Thema An-und Entspannung bei Pferden aufgreifen, da es ein Thema ist, welches mir immer öfter in seiner essentiellen Bedeutung begegnet.
Anlass hierbei gab mir ein 8-jähriger Holsteiner Wallach, der, wie seine Besitzerin erläuterte, immer wieder „Phasen“ hat, in denen er kurzzeitig „erstarrt“, um dann kurz darauf zu „explodieren“. So kam ich auch gestern wie jeden 2. Dienstag zum Bereiten in die Halle und nahm auf seinem Rücken Platz. Seine innere Unruhe war deutlich spürbar. Es gilt grundsätzlich bei Anspannung zwischen Distress und Eustress, also negativem Stress und positivem Stress zu differenzieren.
Am gestrigen Dienstag saß ich nun auf diesem Wallach, der kurz nach dem Aufsteigen stallen musste und daraufhin mit reichlich Schwung einen riesen Satz nach vorne machte, einen Buckler mit einbaute und dann wieder zum normalen Schritt übergehen konnte.
Was war passiert?
Vermeintlich nichts.
Doch spürte ich unter mir nach zwei, drei Runden Schritt und verschiedenen Aufgaben immer noch kein entspanntes Pferd. Augenscheinlich ließ er jedoch den Hals hängen und lief in einem schreitendem Schritt. Nein das fühlte sich alles nicht gut ab.
Was also tun!?
Absteigen!
(Und ja Beritt heißt für mich, auch wenn es Beritt heißt, nicht gleich dass ich stoisch oben drauf sitzen bleibe, sondern auch hier flexibel auf das Pferd in seinem IST-Zustand eingehe)
Ich stieg ab, machte den Wallach frei und dieser nutzte diese Freiheit zunächst, um 5 Minuten wild durch die Halle zu toben.
Von wegen „Entspannt“!
Kurz darauf folgte dieser mir dann wieder zu Fuß durch die Halle und ich konnte einige Lektionen „abrufen“. Hier blieb es dann auch  bei dem wörtlichen Abrufen.
Ich sagte und er machte. ABER wieder nur „Fake-Entspannt“. Heißt dieses Pferd bleib zwar gedanklich bei mir und „erledigte“ die von ihm verlangten Aufgaben, aber ohne jegliche Form der Entspannung. An dieser Stelle wäre es sinnvoll, die PAT Werte durch eine Tierarzt kontrollieren zu lassen, um einen objektiven Wert der echten Entspannung zu haben.

Er ist übrigens ein Pferd, was sich immer wieder den Kopf am Menschen schubbert oder eben „kopflos“ unter dem Reiter oder am Strick  reagiert.
Wie ist also einem derartigen Pferd zu helfen, damit sich beide Nervensysteme ( das sympathische und das parasympathische) ECHT entspannen können?
Hier habe ich wie so oft die Erfahrung machen dürfen, dass Berührungen wunder bewirken. Nicht umsonst bin ich ein Fan von Linda Tellington Jones TTouches, verschiedenen Schwingungstechniken und anderen Energiearbeiten.
Also fing ich an zunächst am Kopf des Wallaches meine Hände, ähnlich wie das „Denkermützchen“ von Linda, auf seinen Nacken und seine Stirn zu legen. Schon nach kurzer Zeit fing der Wallach an zu lecken und zu kauen, sein „Sorgen-Dreieck“ über dem Auge entspannte sich und er ließ den Kopf UND den Hals endlich hängen. Sein Blick ging nach innen und ein tiefer Seufzer durchströmte das Pferd. Jetzt war ein erster Schritt in Richtung ECHTE (physische und psychische) Entspannung getan. Ich ließ meine Hände über seinen Körper gleiten und er genoss die Berührungen sichtlich. Immer wieder lud ich ihn ein, ein paar Schritte mit mir zu gehen und dabei nicht zu sehr ins „Außen“ und dadurch in die Anspannung zu gelangen. Nach circa 30 Minuten stand der Wallach in einer ECHT entspannten und auch sichtbaren Körperhaltung in der Halle und kam aus dem Gähnen gar nicht mehr raus. Wenn ich es nicht besser wüsste, glich der Blick des Pferdes dem, welches zwei Joints zu viel geraucht hat.
Aber wer weiß was nicht alles möglich ist mit Berührungen.
Dies ist auch für mich wieder die Bestätigung, und hierfür möchte ich Bent Branderup zitieren, „wir müssen nicht reiten, wir dürfen.“
Also lieber einmal mehr absteigen und ECHTE (physische und psychische) Entspannung als Ziel haben.

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„You can be the change“

☀️☀️
Eure Anna