Von Kopfschmerz, Magenschmerz und Kastrationstrauma beim Pferd

22. Februar 2016

Einen Tag unterwegs mit der Pferdeosteopathin Selina Dörling
„Einen wunderschönen guten Morgen“ schallt es Sonntagmorgen um 10 Uhr durch den Wald. Eine offenherzige und fröhliche Selina steigt aus ihrem Auto aus und begrüßt mich mit einer herzlichen Umarmung. Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut, an dem ich Selina zu ihren Kunden begleiten darf. Eins kann ich euch schon im Voraus sagen; Diese Frau hat´s drauf und es hat mir sehr viel Spaß gebracht und mich inspiriert. Als erstes lernen wir einen 8-jährigen Spanier kennen, der wohl das schiefste Pferd ist, was ich je gesehen habe in meinen 25 Pferdejahren. Selina stellt sich zunächst ´nur´ neben das Pferd und guckt es sich an. Dann muss ihr der Wallach einmal im Schritt vor geführt werden, um den Bewegungsablauf zu erörtern. Hier werden die ersten Missstände im Knochen- und Muskelgerüst erkennbar. Wer nun eine Behandlung á la Tamme Hanken erwartet hat, hat weit gefehlt. Selina legt ihre Hände auf den Widerristbereich (Übergang Halswirbelsäule-Brustwirbelsäule) des Wallachs. Dieser wird unruhig und möchte weglaufen. Auch hier ist Selinas Reaktion anders als ich es zuvor kennengelernt habe. „Lass ihn, lass ihn“ sagt sie noch schnell bevor die Besitzerin ins Halfter greifen möchte. „Die Pferde sollen ihre Reaktion zeigen dürfen. Ich habe es schon erlebt, dass es so heftige Reaktionen gab, dass sich die Tiere direkt vor mir hingeschmissen haben, um sich zu wälzen.“
Dieser Bereich der Wirbelsäule wird dem Magen zugeordnet. Daraus kann Selina schließen, dass der Wallach Probleme mit dem Magen habe. Sie fragte die Besitzerin, ob der Spanier unter dem Sattel unter starker Anspannung des Halsfundamentes laufen würde und ob er andere veränderte Verhaltensweisen zeigt. Die Besitzerin berichtete daraufhin, dass ihr Wallach in den letzten Wochen oft vor ihr wegläuft, wenn sie ihn von der Weide holen möchte und dass er tatsächlich sich schlecht loslassen könne beim Reiten im Halsansatz (Bereich Brustbein- Widerrist). Nach kurzer Zeit und ein paar Handgriffe später konnte der Spanier seinen Kopf endlich wieder in eine entspannte waagerechte Halsposition fallen lassen. Sein Gangbild war bereits jetzt deutlich verändert. „Gerade bei einem Pferd mit so viel Schiefe und Spannung können die Nachwirkungen einer solchen Behandlung auch noch Wochen später erkennbar werden“, erklärt Selina.
„Heilung bedeutet durch die Oberfläche zu den Wurzeln und damit an die Ursache zu gelangen“! Selinas Grundsatz, der auch auf ihrer Homepage und in ihren Vorträgen immer wieder erwähnt wird. Ein Satz der dem eigentlichen Ursprung der echten Osteopathie sehr nahe kommt. Nichts mit renken, drücken, quetschen oder anderen brachialen Mitteln ist dort zu lesen, geschweige denn bei den echten Osteopathin zu erkennen in ihren Behandlungen.
Dieser Grundsatz von Selina wird genauso erkennbar bei dem Tinkerwallach, den wir als nächstes besuchen. Die gezielten Handgrifftechniken der Osteopathin, lassen den Wallach in kürzester Zeit in einen Tranceartigen Zustand „verschwinden“. Seine Nüstern zucken, sein Muskeltonus fällt sichtbar ab und er gähnt fast ununterbrochen. Hier wird auch für mich deutlich erkennbar, wie der Selbstheilungsprozess dieser Methode aktiviert wird im Körper und wie unterschiedlich die Pferde drauf reagieren. Immer wieder bittet Selina die Besitzerin des Tinkers, ihn im Schritt vor zu führen. „Vorsicht schön langsam, dem ist schwindelig“, warnt die zierliche Frau. Ja auch Pferden kann tatsächlich während/nach einer solchen Behandlung schwindelig werden. Gerade die Handgriffe am Kopf und im Nackenbereich (Craniobehandlung) führen zu einem sichtbar wankenden Schritt bei den Pferden. Ich bin erstaunt, der Wallach läuft tatsächlich als hätte er einen Schnaps zu viel „genommen“. Dies kommt, weil sich der Wallach zunächst fremd fühlt in seinem eigenen Körper. „Dieses Körpergefühl muss sich neu in den Zellen speichern und erst dann kann sich der Körper den neuen Bewegungsabläufen hingeben“, erläutert Selina. Für das Laienauge kaum erkennbar welch große Wirkungen sich dahinter verbergen. Wie die Tiere all dies genau empfinden, bleibt schlussendlich jedoch offen.
Gerade Kastrationstraumata im tiefen Beckenzwerchfell und Kopfschmerzen können durch eine solche Behandlung deutliche Linderung verschaffen für die Pferde. Die Auswirkungen von Kopfschmerzen bei Pferden sind sehr vielfältig und oft im gesamten Organismus spürbar: Headshaking, Zähneknirschen, Kopfschlagen (auch schon beim Aufhalftern +Trensen oder gar berühren des Kopfes), Beißen, Zunge hochziehen, Kopf ständig am Menschen oder an Gegenständen stoßen und/oder Schubbern.
Ebenso sind die Kastrationstraumata, eine der häufigsten Störungsursachen bei Wallachen. Sie können zu blockierten Hinterhänden, mangelndem Untertritt, blockiertem Dickdarm und somit ebenfalls im ganzen System „Körper“ störend wirken.
Bei dem letzten Pferd des Tages war eine besonders spannende Erklärung für mich zu bekommen von Selina. Der Wallach Lucky trat mit seinem rechten Hinterbein deutlich sichtbar rechts an seinem Bauch vorbei. „Bei den meisten Pferden“, erklärt Selina, „ ist das rechte Hinterbein das Stützbein und nicht das Schubbein, weil der Dickdarm rechts auf Flankenhöhe liegt und das Bein gar nicht schiebend vorgreifen kann anatomisch. So ist es den Pferden eigentlich fast unmöglich jemals mit seinem rechten Hinterbein aktiv unter den Schwerpunkt auf dem Zirkel vorzugreifen (und natürlich in andern Bewegungen, in denen es zu erwarten wäre)“.

Ich möchte zusätzlich noch ganz kurz von meiner Craniosacral- Behandlung bei Selina berichten, denn vllt. macht dies den Zustand, wie sich die Pferde danach fühlen können, etwas deutlicher. Selina ist noch in der Ausbildung zur visionären Cranio-Sacraltherapeutin für Menschen. Hier wird der Ursprung der Osteopathie gelehrt- nämlich den Geist und den Körper in Einklang zu bringen.
Wir hatten uns für den darauffolgenden Tag bei Selina verabredet. Ich legte mich auf eine bequeme liege auf den Rücken und durfte mich entspannen. Selina legte lediglich ihre Hände von hinten an meinen Kopf da wo die Schädelplatten zusammenlaufen. Daraufhin, fühlte es sich in meinem Kopf an als würde mein Gehirn einen Spaghettisalat produzieren und alles wankte durch den Kopf. Kurz darauf begann mein Körper rechts und links abwechseln zu zucken und zu „Arbeiten“. Als Selinas Hände dann in Richtung Schläfen wanderten, kamen verschiedene Bilder hoch zu unschönen Ereignissen aus meinem Leben, sie waren da und wollten einfach nur kurzzeitig gesehen werden und verschwanden dann wieder. Mein Kopf versuchte durch ständiges Zucken und Wanken eine Mittelposition zu finden, was schier unmöglich schien in dem Moment. Als Selinas Hände sich dann Richtung Jochbeine bewegten, tat sich eine unglaubliche Weite vor meinem dritten Auge auf, welche ich sehr genießen konnte und ein ruhiger werden im Körper spürbar machte für mich.
Als sie dann kurze Zeit später an meinem Sacralgelenk arbeitet, versuchten sich Kopf und Sacralgelenk in eine Parallele Verbindung zu bringen. Es fühlte sich an als würde eine Welle durch meinen Körper schwappen, die die Zellen versuchte neu zu „programmieren“ und meinen Körper neu auszurichten.
Doch die eigentlich größte Erfahrung machte ich, als ich dann aufstehen durfte und in den darauffolgenden Tagen. Als ich mich von der Liege hinsetzte, erlebte ich einen Schwindel, den ich so zuvor noch nicht erlebt habe. Er war angenehm, hatte eine unglaubliche tiefe in meinem Körper und ich hatte einen Augenblick als ich mich im Spiegel ansah, der so entspannt und tief war, dass ich mich kurz vor mir selber erschrocken habe. Meine Gefühlswelt hätte nichts erschüttern können, so sehr war ich im Gleichklang mit mir und meiner „inneren Welle“.
Im Gegensatz zu diesem Abend waren die darauffolgenden Tage eher geprägt von dem „nachschwappen der Welle“. Immer wieder triggerte der Schwindel meine tiefsten Tiefen in mir an und forderte mich auf mich mit diesen auseinander zu setzten. Es war eine Zeit der Einkehr und des „hinfühlens“, geprägt von Schmerzen im ganzen Körper die einem Muskelkater glichen. Mein Sacralgelenk schmerzte, als würde ich jeden Moment einen Hexenschuss bekommen. Auch heute noch, eine Woche nach der Behandlung lässt mein Körper mich immer wieder in einen Gleichklang kommen mit meinem Geist. Das zentrieren dieser zwei Körperegionen wird von Nils Sutherland (Begründer der Osteopathie) in einer wunderbar, liebevollen Notiz zusammengefasst:

„Die Arbeit mit diesen Köpfchen glich dem ´Entfalten der Blätter einer Rosenblüte´. Sein Ziel war, ihnen die harmonische Form zurückzugeben, die sie vielleicht schon seit vorgeburtlicher Zeit nicht mehr gehabt hatten“

Ich denke so wird deutlich, wie es manchem Vierbeiner gehen kann nach einer Behandlung von den „Wunderhänden“ von Selina Dörling.

Was für erfüllende Zwei Tage mit dir. DANKE!

Selina Dörling

Eure Anna

 You can be the Change

„You can be the change“